Herz mit Pflaster

Design Thinking – Was tun, wenn die erste Verliebtheit vorbei ist?

Mein erster Kontakt mit Design Thinking war 2011 (also schon ein paar Jahre her) und ich gebe zu – es war Liebe auf den ersten Blick!

Nach vielen Kursen, die ich in Bezug auf Produkt- und Innovationsmanagement, Strategieentwicklung, Moderation und Teambildung hinter mir hatte, war ich mit geringen Erwartungen zur d.school nach Potsdam gereist. Was ich bis dahin über Design Thinking gehört hatte, erschien mir nicht neu. Mal ganz abgesehen davon, dass mir keiner in wenigen Worten erklären konnte, worum es sich dabei handelt. Doch was in Potsdam mit einer inspirierenden Woche Design Thinking Basic Track begann wandelte sich in der Folgezeit in ein echtes „Mindset“.

Jetzt sind es also schon mehr als 6 Jahre und ich bin immer noch sehr glücklich mit dieser Denk- und Arbeitsweise. Ich will nicht verschweigen, dass die Beziehung in dieser Zeit durch verschiedene Hochs und Tiefs ging.

Ich habe Design Thinking aus den verschiedensten Blickwinkeln kennengelernt. Als Anwender (Teammitglied), Coach und Trainer in einigen Konzernprojekten und als Berater in Organisationen und Unternehmen. Dabei habe ich erlebt, welche Kraft Design Thinking entfalten kann, welche Rahmenbedingungen wichtig sind und welche Rezepte helfen können, wenn der Status „es ist kompliziert“ eintritt.

  1. Es ist sinnvoll, den gesamten Design Thinking Prozess zu durchlaufen

Design Thinking 1Natürlich eignen sich viele der Design Thinking Werkzeuge auch zum isolierten Einsatz – aber tappen Sie nicht versehentlich in die „Toolbox“-Falle. Gerade am Anfang sind manche Schritte ungewohnt und scheinen viel Zeit zu verbrauchen, der ein als zu gering empfundener Nutzen gegenübersteht. Hier hilft es, sich durch Zeitvorgaben zu disziplinieren oder Formate zu wählen, die eine Art „schnellen Vorlauf“ ermöglichen. Aus meiner Erfahrung zeigt sich dabei schnell, an welchen Stellen das Team noch keine Einigung erzielen kann. An den Stellen, wo es viel Diskussionen gibt, ist in der Regel noch kein Konsens vorhanden. Dann lohnt es sich, nochmal eine Runde zu drehen. Es kann auch helfen, Templates zu verwenden, die von jedem Teammitglied alleine ausgefüllt und anschließend gemeinsam besprochen und konsolidiert werden.

Um die Akzeptanz des Gesamtprozesses zu erhöhen empfiehlt es sich, den Prozess so zu planen, dass er gut auf die Notwendigkeiten des spezifischen Geschäftes und Teams passt und ihnen hilft, wirklich brillantere Ergebnisse zu erzielen.

2. Das Team hat ungeahnte Kräfte

Design Thinking entfaltet seinen größten Nutzen, wenn es dazu führt, dass alle im Team an einem Strang ziehen. Das ist aus meiner Erfahrung die größte Herausforderung. Immerhin arbeiten Menschen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, Detaillierung, Kreativität, Analytik, Experimentierfreude und und und. Mal ganz abgesehen von den Persönlichkeitstypen. Im täglichen Geschäft versucht jeder einzelne für sich das optimale Ergebnis zu erzielen. TeamDas ist auch gut so. Um sicherzustellen, dass das ganze Team optimal zusammenspielt gibt es im Design Thinking-Prozess die Meilensteine, an denen das Team sich synchronisiert und Einigungen erzielt (z.B. bei der Formulierung der Ausgangsfrage, bei der Synthese nach der Recherche, bei der Erstellung von Personas, bei der Priorisierung von Ideen und der Evaluierung von Prototypen). Diese Zeitpunkte sind erfolgskritisch und oft kräftezehrend – der Design Thinking Coach spielt eine sehr wichtige Rolle, da er als neutrale Person erspüren kann, ob das Team hängt und vielleicht einen Tapetenwechsel (z.B. in Form einer auflockernden Übung oder eines Spaziergangs) oder eine Pause benötigt, bevor es den weiteren Weg festlegt.

3. Ausprobieren

Es ist sinnvoll, immer mal wieder neue Spielweisen im Rahmen des Design Thinking Prozesses in unkritischen Situationen auszuprobieren (z.B. Visualisierung, Storytelling, Empathieübungen, Templates). Die Bücher „Gamestorming“ oder „101 Design Methods“ sind dafür wunderbare Quellen. Dafür braucht es häufig nicht mehr als 30 Minuten. Was sich bewährt, kann dann ins Repertoire aufgenommen werden. Oder teilen Sie bei einer Übung das Team in ein oder zwei kleinere Teams auf, die eine Zeit lang parallel arbeiten – sie werden überrascht sein, welche Inspiration die unterschiedlichen Lösungen bewirken können.

4. Expertisen staffeln und beharrlich dranbleiben

Es gibt im Unternehmen immer Menschen, denen es leichter fällt, sich auf Neues einzulassen. Sie sind begeistert, wenn sie „Pioniere“ sein können. Diese Personen eignen sich im Design Thinking häufig gut als Coaches/Moderatoren, da ihnen die Methode am Herzen liegt und sie damit leben können, dass nicht immer ihre eigenen Ideen im Mittelpunkt stehen. Die anderen Teammitglieder haben den Nutzen, dass sie sich besser auf den Prozess einlassen können, wenn es einen Coach gibt, der sie dabei leitet. Einige dieser „Follower“ entwickeln über die Zeit auch Interesse, um selbst von Zeit zu Zeit als Coach zu agieren. Erfahrungsgemäß gibt es auch Menschen, denen es schwer fällt, sich begeistert auf Design Thinking einzulassen. Wichtig ist, dass sie trotzdem die Teamergebnisse mittragen. Sie sind gute Feedbackgeber und sollten ermutigt werden, dazu beizutragen, das Vorgehen konstruktiv zu hinterfragen.

5. Lassen Sie sich von einem erfahrenen Coach begleiten

Letztendlich ist Design Thinking eine neue Denkweise, die bestehende Arbeitsformen und 
-gewohnheiten ergänzt aber auch verändert. Das braucht Zeit und Mut. Eine Begleitung durch einen erfahrenen Coach empfiehlt sich, weil Erfahrungen Mut machen und Vertrauen erzeugen.

Wir unterstützen Sie dabei gerne. Sie erreichen uns unter info@gezeitenraum.com